19. August 2012: Hangfliegen auf dem Hochblanken

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Sonntagmorgen, Bilderbuchwetter und wir stehen um halb Zehn auf dem Parkplatz der Talstation in Damüls.

Nachdem das Flugmaterial sessellifttauglich gepackt ist, gehts mit der 4er-Sesselbahn auf die Uga-Alp hoch. Oben angekommen noch fix was gegen den ersten Durst dazu ne Wurst mit Brot und schon wandern wir dem Hochblanken entgegen. Die gut einstündige Wanderung ist zusammen mit Rucksack und Segelflieger immer wieder eine Herausforderung für Geist und Körper.

 

 

 

 

Blick in Richtung Sessellift Bergstation

 

Ab und an stellt sich die Frage wegen dem "Warum tun wir uns das an?", aber wer hoch oben fliegen will, muss zuerst mal oben ankommen. Noch die letzten Meter an der bedrohlich steil wirkenden Nordflanke vom Hochblanken und endlich stehen wir schwitzend und schnaufend neben dem Gipfelkreuz. Langsam aber sicher kommt auch unser Puls wieder in runter und so können wir uns beim verdienten Vesper am sensationellen Panorama erfreuen. Spätestens jetzt sind alle Mühen vergessen und jedermann ist froh, endlich sein Material hier oben aufbauen zu können. Auch vergessen mein Krampf, meinen grossen Gelben mit Fernsteuerung, Fotoausrüstung und Verpflegung hier herauf zu schleppen. Nun wollen wir nur noch eines: unsere Fliegerle laufe lasse.
Aber leider sind die Bedingungen alles andere als optimal, nix mit hammermässiger Thermik, nicht mal gute Thermik vorhanden. Auf der Nordseite nur wenig Wind und ab und zu ein warmes Hangaufwindchen auf der Südseite - hätte man sich ja eigentlich auch denken können, aber als Pilot hofft man immer auf tolle Aufwinde. Wenns unten und oben heiss ist, geht wenig in Sachen Thermik - is ja nix Neues. Aber dass es so schwach sein sollte, haben wir auch nicht erwartet.
Nun denn, man nimmt was man kriegt und das sagte sich wohl auch ein schweizer Flugkollege. Er war schon vor uns mit seiner B4 da oben und nachdem Hanspeters und Mattias Probeflüge nicht viel hergeben und wir auf bessere Zeiten warte, bereitet er seinen Segler auf den Flug vor. Zuerst denken wir noch seine Begleiterin würde sicher nur ein paar Bergfotos mit ihm und der B4 knipsen und danach würde er den Segler wieder ablegen. Aber weit gefehlt.  Völlig unerwartet wirft der B4-Pilot den Kunstflugsegler auf der Nordseite den Hang runter, dreht rechts ab und fliegt über den Grat Mittagsspitze-Hochblanken in Richtung Damüls. Nix geht rauf - nur runter. Tiiieeeffffeeeer Varioton... sehr tiefer Varioton.
Na ja, entweder hat man seinen Segler nicht mehr lieb und möchte mal was anderes fliegen oder der Mann hat echt Eier in der Hose. Einstimmig tippen wir auf Letzteres und sind uns einig: Joo, Eier hat er und zwar grosse - sozusagen Bodenhaltung, hehe. 

 

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Hut ab - dazu hat von uns keiner den Mut und der seinige wird auch belohnt werden: in der Gegend zwischen Ugaalp und Parkplatz-Talstation sind plötzlich Anzeichen von Thermik. Vorsichtig kreist er seine B4 ein und kurbelt sich langsam aber sicher in adrenalinsenkende Höhen. Wohlgemerkt, anfangs schauen wir alle gesenkten Hauptes dem Segler nach - so tief fliegt die B4 mit ca. 3m Spannweite. Geistig hätte er sich schon auf eine Aussenlandung eingestellt, meint der Pilot trocken nach geglückter Landung wieder oben auf der Hochblankenwiese. Immer toll wenn solche Manöver gut ausgehen.
Mit weniger Eier in der Hose, dafür mit Notfallschwirbler an der Rumpfspitze fliegt kurz daraufhin mein ThermikXXL in die gleiche Richtung und siehe da: auch mein Grosser kommt von minus 70m locker auf 200m Startüberhöhung und dies ein paar Mal. Für gute Thermik muss ich zwar später noch weiter weg fliegen, aber bei 5m Spannweite stellt dies kein Problem dar. Allerspätestens jetzt sind meine Aufstiegsmühen vergessen und bin froh die 5m am Fliegen zu haben. Dank wolkenfreiem Himmel fliegt diesmal auch Michael seine FS-4000 und kann trotz der etwas mageren Bedingungen doch den einen oder anderen Aufwind mitnehmen. Vom Feinsten ist seine sprichwörtliche Bilderbuchlandung bei Fuss - da muss ich noch üben. Hanspeter und Matthias fliegen mit Flöhchen und Freedom unzählige Runden und so kommt schlussendlich jeder zu seinem Flugspass, wobei Hanspeters 4m ThermikXL - da ohne Rückholversicherung - leider am Boden bleiben muss. Anne - wohlgemerkt noch am Flittern mit Matthias - ist auch mitgekommen. Nebst tollen Flugaufnahmen trägt Anne ihm sogar noch Flugmaterial hoch, tja das muss echte Liebe sein. Da muss ich mit meiner besseren Hälfte vielleicht doch noch mal über die Bücher... ;-)

 

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Nebst den Rucksackträgern, welche jeweils nur für kurze Zeit oben weilen, haben wir noch andere Besucher - wenn auch unerwünschte: fliegende Ameisen, welche in quälend hoher Anzahl rumschwirren. Überall setzen die Viecher zur Landung an: Gesicht, vor und hinter der Sonnenbrille, Ohren, Nacken, uaaaaa überall waren die schxxxx Viecher. Während dem Kreisen in weiter Distanz kriechen mir die Krabbeltiere unterm T-Shirt den Rücken hoch. In dieser Situation gibs noch eines: entweder mit einer schnellen Handbewegung die ungebetenen Gäste verscheuchen und in der weit entfernten Thermik hart erkämpfte Höhenmeter verlieren oder einfach nicht daran denken und sich in absoluter Körperbeherrschung üben. Mong - mmmooonnnnnng - mmmmmoooooonnnnnnnnnng. Ich komme mir vor wie ein tibetischer Mönch beim Meditieren... und siehe da, irgendwann spüre ich das Krabbeln dann wirklich nicht mehr.
In alpinen Höhen tue ich mich wirklich schwer die elektrische Aufstiegshilfe zu benutzen. Trotzdem fliege ich beim zweiten Flug erstmals am Hang einen Akku leer. Macht Spass und so kann sich der grosse Gelbe rund um den Gipfel etwas austoben.
Nachdem Flöhchen, Freedom, FS-4000 und ThermikXXL schadenfrei gelandet sind, packen wir unser Material zusammen und nehmen den Rückweg in Angriff. Ok - es geht mehrheitlich bergab, aber viel angenehmer ist der Weg zur Bergstation auch nicht. Will man die letzte Bergfahrt mitmachen und nicht wie auch schon zu Fuss runter ins Tal wandern, muss man bis spätestens halb Fünf das Rückfahrticket entwertet und aufm Sessel Platz genommen haben. Dank flotten Schrittes haben wir noch Zeit für einen schnellen - sehr schnellen Radler und schon gehts bequem mit der Sesselbahn wieder zurück zum Parkplatz.
Da die Anfahrt über das Laternsertal und Furkajoch nicht zu jedermanns(-frau) Wohlgefühl reichte, fahren wir über Melau zurück. Aber nicht ohne einen Halt am Forellenweiher in Bersbuch, direkt an der Bregenzerach. Dort befindet sich ein kleiner idyllischen Platz mit Gartenwirtschaft und Bademöglichkeit im Fluss. Am Teich angekommen schnappt sich jeder eine Angelrute und versucht sein Abendessen aus dem Teich zu ziehen. Erst nach stundenlangen Kämpfen mit den Elementen können wir unseren Fang an Land ziehen. Haha, Spässle - die Fische sind so hungrig, dass der Köder nicht mal vernünftig zu Boden fallen kann - schon hat sich ein Fisch an den Haken gehängt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Forellen raus wollten. Nun denn, besser ein schneller Fang, als gar keinen. Nach einem mehr oder weniger schnellen Knockout wandern die Forellen auf den Grill vom Restaurant und werden kurz darauf von uns genussvoll weggeputzt.
Schön wars auch wenn die Flugbedingungen etwas zu wünschen übrig liessen, aber so isses nu mal. Wir kommen sicher wieder.

Gruss Robert

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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 Bilder vom dort oben:


 

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Ferngucken ist angesagt.

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Ja steh ich denn am Strand?

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Mann mit Eier in der Hose.

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Gut gelandet.

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